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Was bei Mittelohrentzündung hilft

Berlin (dpa/tmn) - Plötzlich sind da diese starken Ohrenschmerzen, es wird einem heiß und schwindlig, man will nur noch ins Bett. Die akute Mittelohrentzündung (Akute Otitis media) ist eine plötzlich auftretende Entzündung des Mittelohrs.

Sie entwickelt sich häufig in den Wintermonaten im Anschluss an einen Infekt der oberen Atemwege - nach einer Erkältung zum Beispiel oder bei Kindern während oder nach einem Schnupfen.

Typische Symptome sind Ohrenschmerzen und, vor allem bei Kleinkindern, Fieber. Säuglinge und Kleinkinder zeigen zudem oft auch eher unspezifisch scheinende Symptome: leichte Durchfälle, Erbrechen, Bauchschmerzen oder Unruhe zum Beispiel. Darum sollten bei unklaren Schmerzen bei ihnen immer auch die Ohren untersucht werden.

Kinder, vor allem zwischen dem ersten und dem dritten Lebensjahr, sind im Allgemeinen häufiger von der Mittelohrentzündung betroffen. Gründe dafür gibt es verschiedene, aber meist spielt die Ohrtrompete dabei eine Rolle. Diese verbindet Mittelohr und Rachenraum und endet in der Nähe der Rachenmandel - bei Kindern ist sie sehr eng und funktioniert noch nicht so wie bei Erwachsenen.

Krankheit verschwindet in der Regel von selbst

Meist heilt das Ohr von selbst, wie HNO-Ärztin Linda Diederich sagt: «Die Erkrankung verläuft in der Regel selbsteliminierend, sodass eine pauschale Therapie mit Antibiotika nicht sinnvoll ist.» Oft helfe es, ein oder zwei Tage abzuwarten und in dieser Zeit mit Nasentropfen den Ablauf der Keime zu verbessern, erklärt die Oberärztin der Klinik für Hals-, Nasen-, und Ohrenheilkunde der Charité Berlin. Gegen Schmerzen könne man Medikamente wie Paracetamol oder Ibuprofen geben - als Zäpfchen oder Saft, altersgerecht dosiert natürlich.

Bei Kleinkindern gebe man bei starken Schmerzen oder bei einer beidseitigen Entzündung zwar ein Antibiotikum, sagt die Ärztin. Aber für die allgemeine Resistenzentwicklung sei es besser, nicht so früh beziehungsweise gar keine Antibiotika zu verabreichen. Antibiotika könnten außerdem Nebenwirkungen wie Durchfall hervorrufen.

In manchen Fällen seien Antibiotika aber sehr wohl sinnvoll, betont Diederich. So schützen sie zum Beispiel, wenn die Indikation stimmt, vor Komplikationen wie Hirnhautentzündungen oder Mastoiditis, einer Entzündung am Warzenfortsatz des Schläfenbeins.

Generell verbessert sich ihren Angaben nach bei rund drei von fünf Kindern der Allgemeinzustand nach 24 Stunden. Und nach zwei bis drei Tagen gehe es 80 Prozent der Kinder besser. Neben Medikamenten helfe bei Schmerzen vor allem viel Zuwendung und Ablenkung.

Säckchen mit Zwiebeln und Kamillenblüten

Eine beliebte Maßnahme bei Mittelohrentzündung ist das Auflegen von sogenannten Zwiebelsäckchen. Die Heilpraktikerin und Humanbiologin Isabell Wustlich aus Wolfratshausen (Bayern) hat damit sehr gute Erfahrungen gemacht. «Gerade wenn die Otitis media zum ersten Mal auftritt, kann man gut naturheilkundlich eingreifen», erklärt sie.

Für das Zwiebelsäckchen schneide man Zwiebeln klein, packe sie in ein Tuch, lege das Päckchen zum Wärmen auf die Heizung und befestige es dann mit einem Stirnband am betroffenen Ohr des Kindes.

Bei älteren Kindern hilft möglicherweise ein Kamillendampfbad. Kamillenblüten werden in kochendes Wasser gegeben und zugedeckt für etwa fünf Minuten eingeweicht. Das betroffene Ohr wird für einige Minuten über den Kamillenblüten-Wasserdampf gehalten.

Kinder, die bereits mehrere Mittelohrentzündungen im Jahr hatten, können laut der HNO-Ärztin Diederich im infektfreien Intervall ein Tubentraining mit Nasenballon durchführen. Auch ein Schnullerverzicht wirke der Entzündung vorbeugend entgegen.

© dpa-infocom, dpa:200811-99-126689/6


Text: dpa / Bild: Bodo Marks (dpa) (12.08.2020)